LehrerCoaching – der Kritiker muss vor die Tür

Das LehrerCoaching nach dem Freiburger Modell, das jedes Schuljahr in unserer Praxis angeboten wird, schaut sich gezielt schwierige Situationen im Schulalltag an. Eine häufige Frage der TeilnehmerInnen lautet, wie man in solchen Situationen (z.B. Elterngespräche mit sehr fordernden Eltern, Umgang mit herausfordernden Kindern oder auch KollegInnen) gut und selbstfürsorglich seine Grenzen setzen kann. Dazu haben wir eine kleine Aufstellung gemacht mit Stühlen. Neben 2 Stühlen für die/den LehrerIn und einen Elternteil oder Schüler oder Kollegen haben wir einen weiteren Stuhl hinter die/den LehrerIn gestellt: die Stimme im Hintergrund, den sog. inneren Antreiber, Kritiker oder auch das schlechte Gewissen. Die Seite, die nicht müde wird, zu sagen, dass man es besser machen muss, anders, dass man sich noch mehr anstrengen muss, dass andere das doch auch hinkriegen usw. Diese Stimme kennt jeder von uns doch bei manchen ist sie lauter und mächtiger. Ich habe darüber informiert, dass es nicht darum geht, ob die Stimme inhaltlich recht hat (weil es darauf keine Antwort gibt und die Diskussion wertvolle Energie zieht!) sondern dass es darum geht, die FOLGEN dieser Stimme wahrzunehmen. In der Stuhlarbeit haben wir gesehen, dass die Stimme dazu führt, dass man sich ganz klein fühlt auf dem Stuhl der/des Lehrers. Doch wer sich klein fühlt, kann nicht gut Gespräche mit Eltern führen! Wer sich klein fühlt, fängt schnell an, sich zu rechtfertigen, an sich zu zweifeln und Grenzen durchlässig werden zu lassen. Daher haben wir symbolisch den Stuhl des Antreibers vor die Tür gestellt. Die dadurch gewonnene Distanz kann genutzt werden, bei sich zu bleiben, sich zu stärken und aus dem Erwachsenenmodus heraus zu handeln. Zusätzlich haben wir Techniken besprochen, wie man den Antreiber auch weiter auf Distanz halten kann, z.B. indem man die Botschaften in eine andere Sprache übersetzt oder in einen Dialekt oder singt. Denn „Du musst dich viel mehr anstrengen“ ist deutlich bedrohlicher als „Je moet meer je best doen” (holländisch). All dies brachte uns auch immer wieder zum lachen und zeigte eindrucksvoll, dass wir den schwierigen Situationen im Leben nicht ausgeliefert sind sondern selbstwirksamer sind, als wir vielleicht glauben.

Das LehrerCoaching nach dem Freiburger Modell findet jedes Jahr in unserer Praxis statt. Die neuen Termine werden immer im August /September hier veröffentlicht: Materialien für Moderatoren/Moderatorinnen – Lehrer*innen-Coachinggruppen


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